Unterwäsche nähen – 10 Tipps für Anfänger

Vielleicht gehörst du zu den Frauen, die gerne Boxershorts zu bedruckten T-Shirts tragen? Vielleicht fühlst du dich ohne BH am Wohlsten oder zeigst gerne nackte Haut, die durch halbtransparenten Tüll blitzt… oder doch die blumige Spitze kombiniert mit seidig glänzendem Satin?

Reine Geschmacksache und absolut nicht verhandelbar. Trotzdem gibt es einen Punkt, in dem wir uns alle einig sind – Unterwäsche soll perfekt passen und unbedingt bequem sein! Manchmal sucht man ewig, bis endlich das Richtige gefunden ist und dann gibt’s die neue Lieblingswäsche nur diese eine Saison. Mist.

Zum Glück gibt’s da eine ganz einfache Lösung – ran an die Nähmaschine! Denn wer Unterwäsche selbst näht, hat’s in der Hand: die Wahl der Stoffe, Farben und Muster, die Verarbeitungstechnik und vor allem die Passform… doch abgesehen davon, was kann Unterwäsche eigentlich noch?

Hier gibt’s nochmal 10 Tipps für Anfänger zum Thema Unterwäsche, die man sicher schon mal gehört, aber vielleicht nicht mehr so auf dem Schirm hat. Verbuchen wir unter »good to know« 👙

Der optische Schutz

Unterwäsche kann als optischer Schutz dienen und uns in unserer Haut wohler fühlen lassen. Ein leicht gefütterter T-Shirt BH hat zum Beispiel kaum sichtbare Teilungsnähte und verhindert, dass sich Nahtzugaben und Brustwarzen durch den Stoff drücken. Fühlt sich gleich viel besser an, stimmt’s ? So einen bzw. zwei gegengleiche Cups kann man vorgefertigt in unterschiedlichen Stärken & Größen kaufen und in fast jeden selbstgenähten Bra einarbeiten.

In semi-transparenten Slips ist dafür der eingearbeitete Zwickel zuständig, der die Durchsichtigkeit im Schritt minimiert und den Intimbereich normalerweise komplett bedeckt. Im Jahr 1932 hat es dieses kleine Stoffstück in der Bademode sogar mal in ein Gesetz geschafft:

§ 1. (2) Frauen dürfen öffentlich nur baden, falls sie einen Badeanzug tragen, der Brust und Leib an der Vorderseite des Oberkörpers vollständig bedeckt, unter den Armen fest anliegt sowie mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist. Der Rückenausschnitt des Badeanzugs darf nicht über das untere Ende der Schulterblätter hinausgehen.

wikipedia.org/wiki/Zwickelerlass
String mit blickdichtem Zwickel (📸 @Silke Weinsheimer)

Der hygienische Schutz

Der Zwickel leistet aber auch hygienischen Schutz. Als doppelte Innenlage nähst du ihn am Besten aus 100 % Baumwolle, Netzgewebe oder Mikrofaser in deine Unterwäsche ein. Bio ist natürlich Trumpf an so einer empfindlichen Stelle und wenn du die Möglichkeit hast, dann ungefärbt und antibakteriell ausgerüstet, denn das absorbiert Scheidenausfluss oder Schweiß und trocknet in der Regel viel schneller. Das ist gar nicht so unwichtig, denn so können Pilz- oder Harnwegsinfektionen reduziert und Reizungen minimiert werden.

Aber auch in Strumpf- und Laufhosen wird der Zwickel gerne mal zur Verbesserung der Passform eingearbeitet. Das verhindert »einschneidende« Erlebnisse a la #cameltoe 🐫 und reibt weniger an empfindlichen Stellen, die man öffentlich ohnehin ungern kratzen möchte ohne dabei seltsam aufzufallen.

Der Halt

Klar, Brust ist nicht gleich Brust und nicht jede Oberweite braucht physische Unterstützung. Für Manche ist so ein Bra nur Deko und wer eher kleine Brüste hat, kommt locker mit ’nem leichten Bustier, Bandeau oder Soft Bra aus. Hat den Vorteil, dass man in der Wahl der Unterwäsche eben mehr (Aus-)Wahl hat und zur Not kann »Frau« zu Push-Up oder den besagten BH Einlagen aus Schaumstoff greifen, um ein bisschen was dazu zu mogeln.

Von leichtem Support bis ganz oben ohne können andere nur träumen. Denn diese Auswahl haben Frauen mit besonders großen Brüsten ohnehin eher nicht. Kein oder ein schlecht sitzender BH bringt dann gerne mal Kopf- und Rückenschmerzen und ‘ne ordentliche Nackenverspannungen mit sich. Ein breiter oder verstellbarer Träger kann da schon echt viel bringen – und zum Glück gibt’s Bügel-BH’s. Da wird die Oberweite schon unterhalb durch’s Brustband gestützt und die Körbchen sorgen für zusätzlichen Halt.

Das trifft natürlich auch auf jede andere Frau zu, die eine sehr aktive Sportart betreibt. Damit das Bindegewebe keinen Schaden nimmt und man beim Joggen, Seilspringen und regelmäßig morgens »zum Bus rennen« keine Überall-Schmerzen bekommt, machen speziell gearbeitete Sport-BH’s mit besonders stabilisierenden Nahtführungen total Sinn. Die sitzen supereng am Körper und geben der Brust durch breite Träger, feste Materialien, besondere Einsätze und Teilungsnähte einen zusätzlichen Support.

Die richtige Größe

Halt ist super – vorausgesetzt man wählt die richtige Größe! Hier geht’s nämlich nicht nur um Gefühlssache, sondern auch um den Blick für gut sitzende Unterwäsche. Das fängt beim passenden Unterbrustmaß an und hört bei der Körbchengröße auf, oder?… nee, eben nicht. Die Körbchengröße kann durchaus die richtige sein und dennoch »quillt« deine Brust über den Rand. Möglicherweise, weil das Gummiband zu straff angenäht ist. Eine zu hohe Seite kann auch gerne mal unter der Achsel kneifen und manche Gummibänder sind einfach zu schmal und weich, um unter der Brust den nötigen Halt zu geben. Auch variieren Größen, sobald du die Körbchen fütterst… obenrum gibt’s echt viel zu beachten.

Ein fester Sitz unterhalb der Brust ist das Wichtigste bei einem BH. Auf keinen Fall den Balkon an den Schultern »aufhängen«!

Tatsächlich ist hier ein bisschen Geduld gefragt, also nicht gleich aufgeben, wenn’s nicht auf den ersten Rutsch sitzt. Entwickle ein Gefühl (ha, da ist es wieder!) für die richtigen Zutaten, Nähtechniken und die für dich passende Form.

Die Atmungsaktivität

Wer sich generell viel bewegt oder im Sommer schnell schwitzt, weiß wie wichtig atmungsaktive Materialien sind. Die lassen Feuchtigkeit nach außen, trocknen schnell und nehmen im besten Fall keinen Schweißgeruch an. Dafür gibt’s eben ganz spezielle Sportstoffe, die durch die besondere Material-Zusammensetzung, Herstellungstechnik oder das Ausrüstungsverfahren heiße und aktive Tage viel angenehmer machen. Oft helfen aber auch simple Netzeinsätze an den richtigen Stellen, um optisch Abhilfe zu schaffen und einen Hitzestau bei intensiven Sportarten zu minimieren.

Schnittmuster Leggings #youneverwalkalone nähen mit Yes, Honey
Leggings #youneverwalkalone (📸 @Sylvie Gagelmann) für entspannte Yoga Stunden

Die Wärmefunktion

Wer dagegen (un)gerne mal friert, der sollte sich in wärmende Strickstoffe oder Wolljerseys kleiden. Kuschlige Mischungen aus Merino, Angora oder Schurwolle, leisten da einen tollen Job. Wer’s nicht ganz so haarig mag, kann immer auch auf angeraute oder doppellagige Jerseys zurückgreifen, denn die sorgen ebenfalls für ein kleines Wärmepolster zwischen Haut und Außenluft.

Die Salz- und Chlorwasser-Resistenz

Und dann gibt es da noch die ganz besonderen Anforderungen, wenn die teure Satin-Unterwäsche in einer »Nacht und Nebel Aktion« spontan zum Bikini und der Body aus Spitze zum Badeanzug wird. Spätestens IM Pool, mit Chlorwasser in der Nase, könnte man sich im Klaren sein, dass feine Stoffe das eventuell nicht überleben. Gleiches gilt für den Tag am Meer, wenn mal wieder die Badehose zu Hause vergessen wurde. Also gut überlegen, ob man stattdessen dann die Lieblingsunterwäsche nutzt… Salz- und Chlorwasser sind ja nicht gerade der Freund von zarten Materialien.

Badestoffe sind da ganz anders ausgerüstet und können solchen Bedingungen viel besser Stand halten. Das gilt aber nicht nur für Außenstoff und Badefutter, sondern auch für alle Arten von Gummibändern, die man an den Kanten verarbeiten möchte. Bei ready to wear Badesachen ist das natürlich alles schon passend abgestimmt und beim Selbstnähen einfach Augen auf beim Einkauf der Materialien und lieber einmal mehr nachfragen, als zu wenig.

Die Bequemlichkeit

So viel zur Praxis, aber muss ja nicht immer Alles einen Grund haben. Manchmal wollen wir uns ja auch einfach nur wohl fühlen in unserer Haut. Das ist meist eh schon schwer genug. Wir brauchen echt mehr #bodypositivity in unserem Leben 🤘❤️ Aber klar, wenn dann noch die Unterwäsche rutscht oder zwickt oder man sich nicht richtig angezogen fühlt, kann das eeeecht nervig sein und auch gerne mal ’nen tollen Tag ruinieren. Daher ganz wichtig:

Wäsche sollte in erster Linie bequem sein und uns in unserem täglichen Leben positiv unterstützen. Yay!

Und gerade deshalb: Egal, ob gekauft oder selbst genäht – man muss ein bisschen ausprobieren, bis man das Richtige für sich gefunden hat. Jeder Körper ist schließlich unterschiedlich und nicht jeder Stoff und jede Nähtechnik eignet sich für jedes Schnittmuster. Wenn’s dann aber passt und der Lieblings-Bra und der hippe Hipster gefunden sind, darf’s auch gerne etwas mehr sein. Der Spaß fängt ja gerade erst an! Wir wollen uns sexy und begehrt fühlen, sinnlich und anziehend – gerade wenn wir uns schnell wieder ausziehen #selflove 🥰

Die Sinnlichkeit

Unterwäsche kann also durchaus unsere Einstellung/Haltung und unseren Gang beeinflussen und gerne das geheime Prickeln unter der Oberfläche sein… denn wer hat gesagt, dass jeder Slip einen Zwickel braucht. Schon mal von #ouvert gehört ihr Lieben?

So ein Cut Out an unerwarteter Stelle, kann dein Gegenüber schon mal ordentlich ins Schwitzen bringen… und dich hoffentlich gleich mit. Hier ist ein bisschen Fingerspitzengefühl gefragt und natürlich deine bzw. eure Vorliebe für besondere Details. Probiere einfach mal aus was dich anmacht, ersetze Schnittteile durch elastische Bänder, ergänze Ringe & Lederdetails oder lasse das bisschen Stoff einfach ganz weg! Beim Nähen und in der Liebe ist schließlich alles erlaubt.

Das Material

Frage… Jerseystoffe zählen doch zu den Maschenwaren und sind schon dehnbar. Stimmt! Jerseys sind gestrickt oder gewirkt und können sich durch flexible, kleine Schlaufen jeder Bewegung anpassen. Was super ist, da wir ja unbedingt bequeme Unterwäsche wollen. Dehnbar ist aber nicht gleich elastisch! Dehnbar heißt nur, dass die Stoffe die Bewegung mitmachen. Elastisch sind sie, wenn sie danach auch wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurück wollen. Damit du später also keine Passform-Probleme bekommst und das Ganze unschön ausleiert, sollte dein Material zumindest einen kleinen Elasthan-Anteil haben. Mehr über die passende Nähnadel findest du in diesem Beitrag.

Und wenn du jetzt mega Lust bekommen hast und sofort losnähen möchtest, dann schau‘ dir doch mal dieses coole All-in-One Starter Set an…

Viel Spaß beim Nähen und ich freue mich über deine Erfahrung rund ums Thema Unterwäsche. Schreib‘ mir gerne in die Kommentare und merke dir den Artikel auf Pinterest, damit du ihn später ganz schnell wiederfindest 👇

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